Sebastian Sorger: Ein ATP-Spieler beim Hobbyturnier!
Während auf der Anfahrt im Radio auf Antenne Steiermark gerade "Die verrückte Stunde" läuft, wird auch beim UTC Wildon Verrücktes geboten. Hochklassiges Tennis und großartige Show! Es läuft der 27. Wildoner Tennis-Cup, zum 15. Mal ist er Teil des Styrian-Grand-Slam. Das ist jene Hobbyturnierserie, die von der 3. Klasse bis zur Landesliga Jahr für Jahr Hunderte Tennisbegeisterte anlockt. Doch in diesem Jahr mischt sich in Wildon einer in ihre Reihen, der dort eigentlich nicht (mehr) hingehört: Sebastian Sorger, 20-jähriger Grazer, der seit drei Jahren dabei ist, sich seinen Weg auf der ATP-Tour zu bahnen. Vor zwei Wochen hat er in Bozen sein drittes ITF-Future der Kategorie bis 25.000 Dollar gewonnen, im Finale besiegte er Österreichs Nummer fünf, den Tiroler Sandro Kopp, der in der ATP-Weltrangliste zu diesem Zeitpunkt noch fast 200 Plätze vor ihm lag und mit Rang 278 sein bisheriges Karriere-Hoch erlebt. Ein Ranking, das auch Sorger demnächst anstrebt, denndamit würde die Teilnahme an den Qualifikationen für die Grand-Slam-Turniere sehr nahe rücken.
Ein Spiel gegen den ehemaligen Kapitän
Doch was macht so ein Spieler bei dem Hobbyturnier? "Ganz einfach, ich habe für diese Woche kein Turnier eingeplant, mache ein bisschen Kondi in Graz. Und weil ich trotzdem ein bisschen Tennis spielen will, habe ich mich beim Turnier meines ehemaligen Vereins angemeldet", erzählt der 20-Jährige. Vier Jahre lang hatte er in der Landesliga A und B für Wildon gespielt. Sein Kapitän damals: Daniel Csuk. Und wie es das Schicksal will, ist das auch sein Gegner im Viertelfinale an diesem heißen Freitagnachmittag. "Csuki" ist mittlerweile 41 Jahre alt, also genau doppelt so alt wie sein Gegner an diesem Tag. Er ist seit Jahren im Organisationskomittee des Wildoner Turniers und wirkt auch maßgeblichim Styrian-Grand-Slam mit. "Dass Sebastian da heuer mitspielt ist ein Segen für uns. Er zieht total. Heute sind fast 200 Zuschauer da und ich glaube, die meisten sind nicht wegen mir gekommen", scherzt der Routinier.
Was also folgt sind wie erwähnt hochklassiges Tennis und eine großartige Show. Und obwohl sie es nicht abgesprochen haben, weiß jeder der beiden Akteure, wofür er an diesem Nachmittag zuständig ist: Sorger für das hochklassige Tennis, Csuk für die großartige Show. Csuk gewinnt die Wahl und hat Aufschlag und gleich beim ersten Service entscheidet er sich für die Underarm-Variante! Doch Sorger passt auf und macht den Punkt. Doch in der Folge gelingen "Csuki" zwei schöne Punkte und Sorger streut noch ein bisschen, also geht das erste Game entgegen aller Erwartungen an den Landesligaspieler mit einem ITN von 2,7. Das ist mehr als er erwartet hatte, denn vor der Partie hatte er noch gemeint: "Game wird sich leider keines ausgehen." Also lässt er sich feiern! Beim Seitenwechsel kramt er sein Handy aus der Tasche und macht ein Selfie mit der Spielstandsanzeige. Das Publikum ist voll da!
Große Freude und viele Zuschauer in Wildon
In der Folge entwickelt sich das Spiel in die erwartete Richtung: Schlaghärte, Präzision und Dominanz zeigen den Unterschied zwischen einer ATP-Nummer 408 und einem steirischen Landesligaspieler deutlich auf. Daniel Csuk fightet, schafft oft bemerkenswerte Rallies, um am Ende doch als Verlierer des Ballwechsels dazustehen. Nach etwas mehr als einer verrückten Tennisstunde lautet das Ergebnis 6:1, 6:0 für Sebastian Sorger. "Es war wirklich beeindruckend. Was auch immer ich gemacht habe, ich wusste, der Typ da drüben kann gefühlt noch mal 50 Prozent druaflegen, wenn er will", sagte Csuk. "Im ersten Game hast du mich überrascht, obwohl ich gestern mit meinem Coach lange über die richtige Taktik gegrübelt habe", scherzte Sorger im On-Court-Interview. "Alle vom Verein freuen sich, dass ich wieder hier bin und ich freue mich auch, dass ich sie wieder treffe! Das ist einfach nur schön für das steirische Tennis, gemeinsam eine gute Zeit zu haben, egal wie gut man spielt. Und vielleicht geht es sich sogar nächstes Jahr noch einmal aus, dass ich hier mit dabei bin!". ergänzte der 20-Jährige.
Am Samstag spielte Sorger dann eine Exhibition gegen Moritz Baumgartner (ESV Bruck), weil sein Halbfinalgegner w.o. geben musste. Im Endspiel bezwang Sorger dann am Sonntag gegen Alexander Jurtin (TC Kern) ebenfalls mit 6:1, 6:0. Bei allen drei Partien waren 150 bis 200 Zuschauer auf der Anlage des UTC Wildon, der sich also über ein echtes Tennisfest freuen konnte!